Nur Geduld…

Sie wollen sich ein Aquarium anschaffen?

Herzlichen Glückwunsch! Sie sind auf dem Weg zu einem faszinierenden Hobby, an dem man jahrelang – Jahrzehnte lang! – Freude haben kann.

Die oberste und wichtigste Regel der Aquaristik ist jedoch ein Sprichwort, das meine Mutter stets zu zitieren pflegte:

" Gut Ding will Weile haben!

Oder anders formuliert: Lassen Sie sich und VOR ALLEM Ihrem Aquarium Zeit. So entspannend wie die meisten (gut gestalteten) Becken auf den Betrachter wirken, so entspannt sollte auch der Besitzer („Aquarianer“) an die Sache herangehen.

 

Die Einfahrphase

Der Aquarienkauf sieht vielfach so aus:

Man marschiert in ein Zoogeschäft oder einen Baumarkt, kauft sich ein günstiges Becken (Geiz ist geil!). Dazu kommen zwei Pflanzen und ein paar Kilo Sand und einundzwanzig Fische (je drei pro Art, ausgewählt nach Farbe) und steckt alles zusammen nach dem Befüllen in das Aquarium.

Nach vier Wochen sind alle Beteiligten unzufrieden. 

Wobei: Die Fische nicht mehr, die sind dann tot.

Mein Rat: Informieren Sie sich im Vorfeld gründlich über die Bedürfnisse der Fische die Sie halten wollen und bauen Sie Ihr Aquarium konsequent um diese herum auf.

Sobald Sie sich für ein Becken, einen passenden Bodengrund sowie eine passende Auswahl an Pflanzen entschieden und alles in das Becken eingebracht haben, beginnt die schwierigste Zeit für den angehenden Aquarianer: Die Einfahrphase.

In dieser Phase, die zwischen zwei und vier Wochen dauert, lassen Sie Ihr Becken bepflanzt, beleuchtet und gefüllt mit Wasser stehen, zunächst OHNE FISCHE EINZUSETZEN.

Warum ist diese Einfahrphase notwendig?

Stellen Sie sich vor, Sie lebten in einer Einraumwohnung ohne WC und dürften diese nicht verlassen. – Der Gestank Ihrer Exkremente  wäre bald nicht mehr zu ertragen.

Ähnlich ergeht es Ihren Fischen! Auch sie würden sich, schwämmen sie in reinem Wasser, mit der Zeit durch ihre eigenen Ausscheidungen vergiften.

Nitrittest den ich empfehlen würde

Damit dies nicht geschieht, müssen sich im Becken Bakterien ansiedeln, die den Fischkot (Ammonium zunächst in Nitrit und anschließend in Nitrat) wandeln. – Vergleichbar mit den Vorgängen in einem Komposthaufen oder mit modernen Toilettenanlagen, die sich diesen Wandlungsprozess ebenfalls zu nutze machen.

Man kann diesen Prozess chemisch mit Hilfe eines Nitrittestes mitverfolgen. Tut man dies, in dem man alle zwei bis drei Tage einen Test durchführt, wird man feststellen, dass sich nach ca. 10 Tagen ein Spitzenwert messen lässt. Man spricht vom sogenannten Nitritpeak.

Tag 0-10 — Der Nitritpeak

Der Nitritpeak (= der giftigste Zeitpunkt eines Beckens) kommt durch absterbende Pflanzenteile und organische Spuren im Bodengrund zustande. Der Nitritpeak zeigt, dass die Bakterien noch nicht in der Lage sind sämtliche Abbauprodukte zu wandeln.

Fische die sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Becken befänden, würden den Nitritwert durch ihre Ausscheidungen erhöhen und sich letztlich selbst vergiften.

Sinkt der Nitritwert nach dem Nitritpeak wieder, sollten Sie erste Wirbellose, das heißt Schnecken, einsetzen. Ja, Sie lesen richtig: Schnecken.

Tag 10-25 — Das Einsetzen der Wirbellosen

Sinkt der Nitritwert eines Beckens bedeutet das, dass die Bakterien sich gebildet und ihre Arbeit aufgenommen haben. Doch noch sind es relativ wenige Bakterien und diese haben, wenig zu tun, da sich momentan nur einige Pflanzen und deren abgestorbene Teile im Becken befinden.

Blaue Posthornschnecke (PHS)

Daher wird es nun Zeit lebendige Tiere, die einen deutlich höheren Stoffwechsel haben als Pflanzen, einzusetzen. Die Ausscheidungen dieser Schnecken bringen die Bakterien auf Trab, das heißt zur weiteren Vermehrung, da sie sie vor deutlich größere „Herausforderungen“ beim Abbauen von Kot stellen.

Warum setzt man zu diesem Zeitpunkt noch keine Fische (sondern Schnecken) ein?

Schnecken sind gegenüber Nitrit deutlich toleranter als Fische. Es ist durchaus möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass der Nitritwert durch das Mehr an abzubauenden Ausscheidungen noch einmal ansteigt (das Aquarienwasser „giftiger“ wird). Fische könnten in dieser frühen Phase, trotz scheinbar überstandenem Nitritpeak, noch sterben.

Am Rande: Es ist nicht zwingend notwendig, die oben verlinkten Schnecken zu bestellen, da Schnecken von alleine zuwandern. Allerdings sind reinerbig blaue Posthornschnecken sehr schön anzusehen und der verlinkte Anbieter (Garnelen Tom) betreibt eine hochklassige Zuchtanlage in Süddeutschland. Hier habe ich bisher immer gesunde und vermehrungsfreudige Tiere erhalten.

 

Tag 25 – X — Das langsame Einsetzen der Fische

Nach drei bis vier Wochen können Sie die ersten Fische einsetzen. Achten Sie darauf nicht alle Tiere, die sie endgültig einsetzen wollen, sofort einzubringen, sondern starten sie langsam. Zum Beispiel mit einer kleinen Gruppe Welse.

 

Fragen und Antworten

a) Lässt sich der Prozess irgendwie abkürzen? Nein. 

Turmdeckelschnecke

b) Muss ich die Schnecken kaufen bzw. bestellen? Nein, allerdings minimieren aus sicherer Quelle gekaufte Schnecken das Risiko sich Parasiten (zB Planarien)  einzuschleppen.

c) Müssen es Posthornschnecken sein? Nein. Auch Turmdeckelschnecken (TDS) sind eine sinnvolle Anschaffung.

d) Sollte ich Starterbakterien kaufen? Siehe hier.

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