Schnecken! Hilfe!

>>Hilfe! Ich habe Schnecken. Was kann ich dagegen tun?<<

Wann immer ich einen Aquarien-Neuling bei der Einrichtung seines Beckens berate, dieser Satz fällt (natürlich in Varianten) so sicher wie „das Amen in der Kirche“.

Meine Reaktion fällt äußerst vorhersehbar immer gleich aus:

>>Herzlichen Glückwunsch!<<

Neben den Algen gibt es wohl kaum ein Wesen in der Aquaristik, das so verkannt wird, wie die Aquarienschnecke. Ich vermute die Abneigung der meisten Jung-Aquarianer gegen Wasserschnecken geht auf ihre Erfahrungen mit den landbewohnenden Exemplaren zurück, vergreifen sich diese doch nicht selten an Salat und Rübe und müssen mit Schneckenkorn in ihre Schranken gewiesen werden.

Will man aber die Aquarienschnecke mit einem Landbewohner vergleichen so, so wären wohl Ameisen oder besser noch Regenwürmer* die bessere Wahl. – Niemand käme wohl auf die Idee diese beiden nützlichen Gartenbewohner mittels chemischer Keule aus dem heimischen Schrebergarten zu verbannen!


Die Aufgaben der Schnecken im  Aquarium

Schnecken nehmen, genau wie Ameise und Regenwurm, wichtige Aufgaben im Ökosystem Aquarium ein:

  1. Schnecken fressen überschüssiges Futter. Gerade Aquaristik-Anfänger neigen dazu ihre neuen Schützlinge übermäßig zu füttern. Dieses Futter fällt zu Boden und kann zu erheblicher Verschlechterung der Wasserwerte führen. ==> Schnecken stabilisieren die Wasserqualität im Becken.
  2. Schnecken fressen tote Fische. Noch gravierender als überschüssiges Futter verschlechtern tote Tiere im Becken die Wasserqualität. Nicht selten bleiben Fische in einem richtig (d.h. dicht!) bepflanzten Becken mehrere Tage „unsichtbar“. So ist es nicht verwunderlich, dass auch ein Todesfall manchmal unbemerkt bleibt. Ähnlich wie die Ameisen an Land zerlegen Schnecken die Kadaver und verhindern so eine Verschlechterung der Wasserqualität. ==> Schnecken stabilisieren die Wasserqualität im Becken.
  3. Schnecken sind „Bio-Indikatoren“. Dazu Kirsten Cee von der Facebook-Gruppe „Aquaritik einfach„: >>Schnecken sind auch hervorragende und praktisch unverzichtbare Bioindikatoren für die Wasserqualität. Kommen sie verstärkt an die Oberfläche, kann das auf Sauerstoffmangel hinweisen. Sind sie lethargisch oder sterben gar welche, könnten Giftstoffe in Becken sein. Vermehren sie sich sehr stark, gibt es Algen und/oder Pflanzen sterben ab und/oder man füttert zu viel. <<** 
  4. Schnecken durchgraben und durchlüften den Aquarienboden. Insbesondere wenn keine Futterschale (siehe rechts) verwendet wird, dann es in Aquarien zur Verdichtung von abgesunkenen Futterresten (vgl. Punkt 1) und damit zur Fäulnisbildung kommen. Ein Fäulnisschaden in einem Aquarium ist nur schwer zu beheben und kann zu erheblichen Problemen in einem Becken führen. Einem solchen leistet die Turmdeckelschnecke (rechts) Vorschub.

Als aktive Gräberin durchpflügt sie, genau wie der Regenwurm in unserem Garten, den Boden und sorgt so für dessen bessere Durchlüftung („Durchflutung“). Ich empfehle jedem Aquarianer die Anschaffung einiger Turmdeckelschnecken. Ein entsprechendes Angebot habe ich –> hier verlinkt. Allerdings bekommt man diese Tiere deutlich günstiger in Internetforen. Man muss sich nur versichern, dass sie aus einem schädlingsfreien Becken stammen, da sie sehr gerne Planarien übertragen. Tiere von Garnelen Tom, dem Verkäufer der verlinkten Tiere, haben – wann immer ich bei ihm bestellt habe – höchsten Gesundheits- und Qualitätsstandards entsprochen. Auch seine Garnelen-Zuchtanlage, die ich 2012 besucht habe, hat mich sehr beeindruckt, sodass ich – trotz des angemessen hohen Preises – den Bezug aus dieser Quelle empfehlen möchte.


Mythos „Schneckenplage“

Trotz der Nützlichkeit der Aquarienschnecke, kann es vorkommen, dass ihre Anzahl überhand nimmt.

Die Ursache für ein solches Ereignis befindet sich – wie so oft – außerhalb des Aquariums. Sie ahnen es: Sie sind es selbst!

Schnecken haben eine sehr hohe Fertilitätsrate (vermehren sich schnell), diese ist jedoch stark abhängig vom Nahrungsangebot. Anders formuliert: Wer seinen Schnecken viel Futter bietet (indem er seine Fische überfüttert), produziert seine „Schneckenplage“ selbst.

Produktempfehlungen


Trotz der (hoffentlich) gewandelten Einstellung zu den Aquarienschnecken, kann es vorkommen, dass  man diese in Teilen loswerden möchte.

An dieser Stelle daher meine Bitte:

SETZEN SIE NIEMALS CHEMISCHE SCHNECKEN-VERNICHTUNGSMITTEL EIN!

Diese vernichten nicht nur einen wertvollen Teil Ihres künstlichen Ökosystems Aquarium und töten sinnlos nützliche Tiere (siehe oben), sondern können auch die Wasserqualität in Ihrem Becken schlagartig massiv verschlechtern. Dies kann im schlimmsten Fall zu einem „Kippen“ des Wassers und damit zur Vergiftung Ihrer Aquarienbewohner führen.

Die beste Methode Schnecken (kurzfristig) aus dem Aquarium zu bekommen sind mechanische Schneckenfallen:

Dabei kann man zwei Grundtypen unterscheiden:

a) Die Passiv-Schneckenfalle

Der Aufbau einer Passiv-Falle ist stehts der selbe: Die Schnecke wird durch einen Lockstoff in eine Konstruktion gelockt, aus der sie nicht wieder entkommen kann. Passivfallen sind sehr günstig online zu beziehen, verschmutzen das Wasser nicht und man kann die gefangenen Schnecken anschließend einen Halter von schneckenfressenden Fischen verschenken oder verkaufen.

Wichtig ist bei der Schneckenfalle, dass keine Verletzungsgefahr für eventuell an der den Lockstoffen interessierten Bodenfischen (wie bspw. Ancistren) besteht.

Hier beispielhaft zwei Produkte namhafter Hersteller (JBL und Sera), über die ich bereits mehrfach positive Bericht erhalten habe.

b) Aktives Absammeln von Schnecken

Wer Schnecken gezielt absammeln möchte, sollte meines Erachtens auf die gute alte Aquarienpinzette zurückgreifen, die ich bereits an anderer Stelle beschrieben habe (–> hier). Zwar gibt es spezielle Aktiv-Schnecken-Sammler, wie etwa das an der Seite verlinkte Produkt, so richtig erschlossen hat sich mir dessen Sinn aber bisher noch nicht. Möglicherweise beschleunigt sich der Sammelvorgang leicht.

Einschätzung:


Während passive Schnecken-Fallen durchaus ihre Daseins-Berechtigung haben, kann man aktives Schnecken-Sammeln ebenso gut mit einer Pinzette erledigen. Die Ursache für die beckeneigene Schneckenplage liegt (oder besser noch: steht) an anderer Stelle: Sie ist vor dem Aquarium, beim übereifrigen Fische-Fütterer, zu suchen.

 


Referenzen:

* Der Vergleich "Regenwurm des Aquariums" für die Turmdeckelschnecke geht auf Otto Rötters hervorragendes Buch "Das pflegeleichte Aquarium" zurück, das (nicht nur) jedem Einsteiger empfehlen möchte:
Es findet sich --> hier als ebook und --> hier als Print-Ausgabe

** Meinen besonderen Dank an Kirsten Cee-Punkt: >> Kirsten Cee-Punkt für die Facebook-Gruppen "Nano Aquarium für Anfänger" und "Aquaristik einfach"<<

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.